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Strähl: Geniessen statt leiden
Martina Strähl lief an der EM über 10'000 m auf Platz 11. Sie betrachtete ihr Resultat differenziert.
Nach sieben der 25 Bahnrunden musste die 23-jährige Psychologie-Studentin aus Oekingen auf der blauen Piste des Olympiastadions von Barcelona umstellen. Mit der Spitzengruppe kam sie nicht mehr mit. Sie liess sie ziehen. In der Folge war sie während mehreren Runden auf sich alleine gestellt. Was forderte und zur Einsicht führte: «So alleine kann ich meine Grenzen nicht mehr antasten.»
Also hakte sie ihr ursprüngliches Ziel von einer neuen persönlichen Bestleistung ab. «Geniessen statt leiden», sagte sie sich nun. Das gelang. «Dieses Rennen enthielt einen riesigen Spassfaktor», hielt sie nach ihrem Einsatz fest. Knapp 20 Sekunden blieb sie über ihrer Bestmarke. Mit 33:37,89-Minuten belegte sie den beachtlichen 11. Rang und verbesserte ihren Melderang (15) um vier Positionen. Und die Bahn-Leichtathletik, mit welcher die letztjährige Berglauf-Europameisterin eben erst begonnen hat, soll noch zahlreiche weitere Kapitel angefügt erhalten.

Belz mit dem Optimum
Mit Rang 6 über 10'000 m glückte Christian Belz an der Leichtathletik-EM in Barcelona ein Topergebnis.
Christian Belz machte im 28-köpfigen Feld über die 25 Bahnrunden alles richtig. Anfangs hielt er sich zurück. Die erste Streckenhälfte lief er in den hintersten Positionen. Als sich das Riesenfeld aufzusplitten begann, war der bald 36-Jährige aber immer zur Stelle, um die Lücke zu schliessen. Diese anspruchsvolle Aufgabe erfüllte er dank «Routine, Renninstinkt, aber auch Glück», wie er festhielt. Erst bei Kilometer 8 musste er die Spitze ziehen lassen. Rang 6 hielt er souverän. «Dieses Resultat entspricht dem Optimum», freute er sich.
Als Gegenpol zum vierten Rang vor vier Jahren in Göteborg lässt es sich werten. Damals war er als Nr. 2 auf der Meldeliste angetreten und entsprechend enttäuscht mit dem Rennausgang. Nun trat der Post-Cup-Gesamtsieger von 2005 und 2009 nach langer Verletzungspause (heikle Knieoperation 2008) und durchkreuzter Vorbereitung (Rückenprobleme im letzten Winter) unter völlig unterschiedlichen Vorgaben an – mit der 21. Zeit. «Ich wollte mich selber überraschen und das ist mir vollständig geglückt», sagte er. Die Medaillen gingen an Mo Farah (Gb), Chris Thompson (Gb) und Daniele Meucci (It).

Wer sorgt für den Exploit?
Post-Cup-Läufer sind zahlreich vertreten an den Leichathletik-Europameisterschaften dieser Woche in Barcelona. Mit Viktor Röthlin, Christian Belz, Sabine Fischer, Martina Strähl, Philipp Bandi, Maja Neuenschwander und Patricia Morceli stellen die Langstreckler fast einen Drittel der Schweizer Delegation. Höchste Ambitionen sind allerdings gewagt. Medaillenhoffnungen hegen kann höchstens Viktor Röthlin. Am letzten Wettkampftag, dem 1. August, läuft der 35-Jährige den Marathon. Doch den EM-Zweiten von 2006 in Göteborg, WM-Dritten von 2007 in Osaka und Olympia-Sechsten 2008 in Peking begleiten auch etliche Unbekannte. Keinen Marathon bestritten hat er seit bald zwei Jahren. Der Grund: zwei lebensbedrohende Lungenembolien im Frühling vor einem Jahr sowie eine Fersenoperation letzten Spätherbst. In dieser langen Abstinenz ist auch begründet, warum Röthlin den EM-Marathon von Barcelona «wie eine Premiere» sieht. Aus den Trainingswerten schöpft er Optimismus. Doch Fragen bleiben, etwa: «Wie kann ich mich noch auf die Signale meines Körpers verlassen?». «S’ Gschpüri» habe er verloren, die Stabilität fehle ihm noch, so der Obwaldner.
Auch für Belz ein Comeback Zu den erfahrenen Athleten mit reichem internationalem Background zählt auch Christian Belz. Der Post-Cup-Gesamtsieger von 2005 und 2009 misst sich über 10'000 m - in jener Disziplin also, in der er vor vier Jahren den starken vierten Platz belegt hatte. Die Vorgaben differenzieren sich allerdings gewaltig. Damals zählte er zu den Favoriten, war er auf der Meldeliste auf Rang 2 platziert. Nun figuriert er nicht unter den besten 30. Dazwischen liegt auch eine diffizile Knieoperation mit über einem Jahr vollständiger Laufabstinenz (bis Ende 2008). Und auch die Rückkehr an die Spitze war geprägt von Rückschlägen. Den letzten erlitt er im Winter mit Ausstrahlungen vom Rücken ins Bein. «Ich geriet dadurch arg in Verzug», sagt Belz. Zuversicht verleihen ihm die letzten acht Wochen. In dieser Periode vermochte er den Rückstand massiv zu reduzieren. «Ich habe ein ansprechendes Niveau erreicht und freue mich riesig», sagt der 36-jährige Berner.
Fischers Geduld Über eine reiche Vergangenheit als Läuferin verfügt auch Sabine Fischer. Vor zehn Jahren stand die Rapperswilerin bei Olympia im Final (9. Platz), damals noch über 1500 m. Gebremst wurde sie durch diverse Ermüdungsbrüche. Jetzt hat sie dieses Problem in Griff bekommen. Und sie hat immer wieder aufgetrumpft, vor allem im Spätherbst auf der Strasse. Im Gesamtklassement des Post-Cup belegte sie aber wegen fehlender Rennen stets nur Rang 2. Und die Qualifikation für einen internationalen Grossanlass verpasste sie wegen Verletzungen, Unfällen oder Erkrankungen. Jetzt hat es geklappt, und Sabine Fischer erhält die Möglichkeit, sich wieder auf höchster Ebene in Szene zu setzen. Die Final-Qualifikation ist ihr erstes Ziel.
Bandi und die Marathonläuferinnen Neuenschwander und Morceli Ebenfalls über 5000 m peilt dies Philipp Bandi an. Der Post-Cup-Gesamtsieger von 2007 und 2008 hat sich im Höhentraining in St. Moritz (wie die meisten andern) gezielt vorbereitet. Der nächstens 33-jährige Berner, der als Teilzeit-Projektleiter bei der PostFinance tätig ist, war 2008 Olympia-Teilnehmer. Mit einer Doppelbesetzung ist die Schweiz im Frauen-Marathon vertreten: mit der Berner Gymnasiallehrerin Maya Neuenschwander (30) und der Chamerin Patricia Morceli (36). Letztere gab letztes Jahr an der WM ihren Einstand (38.). Bei Neuenschwander wie bei Morceli geht es darum, die Qualifikationsleistungen zu bestätigen.
Strähl: Vom Berg auf die Strasse und auf die Bahn Zu ihrem Bahn-Debüt auf internationaler Ebene kommt Martina Strähl, wie Belz letztes Jahr Post-Cup-Gesamtsiegerin. Die 23-jährige Psychologie-Studentin ist Berglauf-Europameisterin und Vize-Weltmeisterin hat über die Strassenläufe des Post-Cup auf die Bahn gefunden. Ihrer Anfälligkeit auf Verletzungen und insbesondere Ermüdungsbrüche tut sie dies äusserst behutsam. Fürs Training steigt sie vor allem aufs Velo. Laufen ist auf dem Laufband angesagt. Auf der Bahn laufen wird sie am 10’000-m-Finale erst zum dritten Mal – nach dem erfolgreichen Limitenrennen Ende Mai und der 5000-m-SM (Titelgewinnerin) am vorletzten Wochenende im Tessin. «Eine Spitzenklassierung darf ich von mir nicht verlangen», sagt Martina Strähl. Vorgenommen hat sie sich dennoch viel: «Ich will meine Bestzeit unterbieten.»
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