Philipp Bandi und Patricia Morceli-Bühler sicherten sich beim Silvesterlauf in Zürich den Gesamtsieg im Post-Cup. Der Overall-Titel in der bedeutendsten Schweizer Strassenlauf-Serie ist mit 7000 Franken dotiert.
Der Berner Bandi war mit Platz 7 auf den 8,8 km (26:16) durch die Innenstadt von Zürich der beste Schweizer. In seinem fünften Post-Cup-Rennen 2011 lief er zum fünften Sieg und schaffte nach 2007 und 2008 das Overall-Triple. Er distanzierte Viktor Röthlin, der unmittelbar hinter Michel Brügger (LC Schaffhausen) einlief, um acht Sekunden. Auf den kurzen Distanzen ist der Berner dem Obwaldner überlegen - auch wenn beide in ihren Disziplinen in Topform sind. Die Geschwindigkeitskurven der beiden kreuzen sich nach dem 10. Kilometer.
Die mindestens 10'000 Franken an Preisgeld freuen Bandi. Der 34-Jährige hat auf Ende Jahr seine Stelle im Personal-Marketing bei der Post-Finance gekündigt und will im Olympiajahr als Profisportler leben. Die Spesen für die Trainingslager des 5000-m-Läufers sind somit schon gedeckt. Bandi will seine letzte Chance packen, um nochmals neue Reize zu setzen. 2012 stehen mit den EM in Helsinki und den Olympischen Spielen in London zwei Höhepunkte an.
Bandi fliegt am 3. Januar nach Dullstroom (SA). Er trainiert dort mit einer Gruppe von Skandinaviern, darunter ein "8:15-Steepler". Nach der Rückkehr in die Schweiz (25. Jan) folgt schon bald der Abstecher nach Portugal (3. bis 17. Februar), danach bestreitet er die Hallen-SM in St. Gallen und möglicherweise die nationalen Titelkämpfe im Cross. Anschliessend geht es nochmals in die Höhe, derzeit steht ein erneuter Besuch in Südafrika im Vordergrund.
"Der Post-Cup ist eine gute Sache", betonte Bandi. Als Bahnläufer setze er zwar andere Prioritäten, doch der Post-Cup liesse sich gut mitnehmen. Bandis Strategie: "Einen Lauf darf man auslassen, aber nicht Zürich."
Patricia Morceli-Bühler musste auf den 6,3 km hart arbeiten. Die Zugerin war letzte Woche leicht erkrankt und litt sichtlich. Als viertbeste Schweizerin verteidigte sie immerhin ihre Führung im Post-Cup erfolgreich. Sie wird sich mit dem Preisgeld auch einen kleinen Wunsch erfüllen. Sie kauft ihren zwei Kindern sowie dem "Göttibub" je ein Fan-Trikot des EV Zug. Für die Trainingslager wird nur ein kleiner Teil des Batzen angetastet. Lediglich ein Abstecher im Februar nach Portugal ist vorgesehen. "Früher ist mir die Höhe nicht gut bekommen. Das hat sich wohl im Kopf festgesetzt", begründete Morceli-Bühler ihren Verzicht aufdie Destinationen in den Bergen.
Die Läuferin des TV Cham blickt trotz des Post-Cup-Sieges auf eine durchzogene Saison zurück. Nach dem Zürich Marathon verschlimmerte sich die Entzündung der Sehne. Durch die Fehlbelastung traten auch im Becken Probleme auf. Erst im Sommer war Morceli-Bühler wieder sorgenfrei. Einen positiven Einfluss hatte auch der Entscheid, 2012 in Helsinki auf die 10'000 m zu setzen und nicht die Olympialimite im Marathon anzupeilen, was zeitlich sehr eng geworden wäre. "Ich war noch nie an einen Grossanlass auf der Bahn", begründete sie ihren Entschluss. Sie hoffe, dass sie von der Arbeit im Schnelligkeitsbereich im Hinblick auf den EM-Marathon 2014 in Zürich profitieren könne.
Wie Bandi findet auch Morceli-Bühler für den Post-Cup lobende Worte. "Das ist eine tolle Sache", sagte die 37-Jährige. Sie liebe die Vielfalt der Distanzen. Auch der gesellschaftliche Aspekt behage ihr: "Es ist schön, alle zu sehen". Und mit dem Blick auf die Liste der bisherigen Post-Cup-Siegerinnen fügte sie hinzu: "Es macht mich stolz, dass mein Name nun auch neben all den Top-Läuferinnen steht."
Den Tagessieg in Zürich sicherte sich die Berglauf-Europameisterin Martina Strähl. Die Solothurnerin lief angriffiger als vor zwei Wochen in Basel. Sie distanzierte die Triathletin Nicola Spirig auf den 6,3 km um 12 Sekunden.
Interview mit Philipp Bandi
«Eine solche Serie, das ist wunderbar»
Philipp Bandi gewann nach 2007 und 2008 den Post-Cup zum dritten Mal. Der Berner Routinier freute sich aber sich aber über noch mehr.
Philipp Bandi, der Silvesterlauf war ein aussergewöhnliches Rennen mit einem für dich geglückten Abschluss. Einverstanden? Philipp Bandi: Das kann man so sagen, ja. Vor allem der Anfang war speziell. Ich bin «richtig erchlüpft». Da liefen wir, 500 m, einen Kilometer, 1500 m und keiner der starken Afrikaner zeigte sich. Ich fand mich an der Spitze wider, machte das Tempo und schaute mich immer wieder um. Das war wirklich etwa Ungewohntes.
Die Normalität kehrte aber rasch wieder ein? Ja, und leider konnte ich nicht folgen, als Kipkorir, Matheka, Kimutai und Co. an mir vorbeizogen. Froh war ich aber, dass ich von keinem Schweizer mehr bedrängt wurde. Im Ziel verfügte ich über eine Reserve von sechs Sekunden auf Michel Brügger und von zwölf auf Viktor Röthlin.
Und damit hast Du eine grandiose Serie hingelegt. Ich konnte jede Post-Cup-Wertung dieses Herbstes, also in Bern, Interlaken, Bulle, Basel und Zürich, für mich entscheiden. Auch in meinen Ohren tönt das etwas unheimlich und ich bin froh, dass ich die Serie in Zürich vollenden konnte. Offenbar hatte ich in diesem Herbst einen guten Lauf, eine konstant hohes Leistungsniveau, das über jenem aller andern Schweizer lag.
Dass Du auf Distanzen zwischen 5 und 10 km kaum zu schlagen warst, erstaunt weniger, aber auf den kürzeren…. ….über den Triumph an der Jungfrau-Meile über 1609 m staune ich noch immer. Ich als Langstreckler liess alle Mittelstrecken-Spezialisten hinter mir. Das war etwas ganz Besonderes, etwa, das mir Mut gemacht hat, mich beflügelt hat. Ich hatte es vor dem Rennen nicht für möglich gehalten.
Wie wertest Du nun diesen dritten Post-Cup-Gesamtsieg nach 2007 und 2008? Er bedeutet mir viel, nicht umsonst wird ja von der inoffiziellen Schweizer Strassenmeisterschaft gesprochen. Dieser Erfolg macht sich gut im Palmares. Und nachdem mir 2009 eine Verletzung den Sieg geraubt hat, ist die Genugtuung umso grösser, es nun wieder geschafft zu haben.
Was bringt der Erfolg sportlich? Diese Post-Cup-Rennen sind wichtig. Jene im Herbst ermöglichten mir, den Leistungslevel bis ganz Ende Saison hochzuhalten. Trotzdem hatte auch die obligate Pause Platz. Diese war wichtig nicht für den Post-Cup, aber im Hinblick auf 2012. Da wollte ich keine Kompromisse eingehen. Nach dem Wiedereinstieg motivierten die Vorweihnachtsläufe zu qualitativ hochwertigen Trainings.
Wie setzt Du die Siegprämie von Fr. 7000 ein? Ich kann dieses Geld hervorragend gebrauchen für Trainingslager, von denen im Olympiajahr einige anstehen werden. Südafrika, Portugal, allenfalls Kenya oder nochmals Südafrika heissen die ersten Stationen im Winter. Ich werde nächstes Jahr nochmals voll in den Laufsport investieren und als Laufprofi leben. Meine 50-Prozent-Stelle bei der Postfinance habe ich gekündigt, weil das meine letzte Gelegenheit für Olympia darstellt. Ob’s allerdings klappt ist offen. Verlangt ist von mir ein kleines Wunder.
Wie erlebst Du das Engagement der Post für den Laufsport? Da kann ich nur loben. Was mir besonders gefällt ist, dass die Investition in den Breiten- wie in den Spitzensport geht.
Interview mit Patrica Morceli
«Motiviert bis in die Zehenspitzen»
Trotz eines mittelmässigen Rennens am Silvesterlauf gewann Patricia Morceli (37) erstmals die Post-Cup-Wertung.
Patricia Morceli, Du spieltest am Zürcher Silvesterlauf nicht mehr jene blendende Verfassung aus, wie in den vergangenen Wochen in Bulle und Basel. War’s das Nervenflattern? Patricia Morceli: (lacht) Das kann ich mit Sicherheit verneinen. Vielmehr war ich nicht fit. Meine beiden Kindern lagen vor zehn Tagen mit Fieber und stark erkältet im Bett. Da hat’s auch mich erwischt. Weil es aber bei Husten, verstopfter Nase und einem schlechten Körpergefühl blieb und bei mir kein Fieber auftrat, musste ich nicht verzichten. Und obwohl das Rennen brutal hart für mich war, lieferte ich das erforderliche Resultat ab (Anm. d. Red: Rang 6).
Wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte waren hingegen deine Kinder? So schien es, ja. Aishah gewann bei den Schülerinnen, Abdurani belegte bei den Schülern Rang 6. Sie sind sportbegeistert und sehr vielseitig aktiv, das ist uns wichtig. Mit mir laufen gehen, müssen die Kinder aber nicht.
Mit dem Post-Cup-Sieg sichertest Du dir die Siegprämie von Fr. 7000, für den Gesamtsieg. Was tust Du mit diesem Betrag? Ein Teil fliesst zurück in meinen Sport. Aber ich möchte auch meinen Kindern etwas zurückgeben und ihnen einen Wunsch erfüllen. Sie und mein Göttibub sind alle grosse Fans des EV Zug. Sie werden je ein Trikot ihres Lieblingsspielers des EV Zug erhalten.
Zurück zu dir, wie fällt die Bilanz des Jahres 2011 aus? Ich kam zu vielen Highlights, fast jedes Rennen wurde zu einem, so kommt es mir fast vor: die beiden genau gleich schnellen Halbmarathons, der Zürich Marathon und natürlich jetzt im Herbst die Post-Cup-Rennen. Ja, ich kann von einer sehr guten Saison reden.
Du hattest aber auch einen herben Rückschlag hinzunehmen. Ja, die Hüft-Verletzung nach dem Zürich Marathon mit der folgenden Entzündung der Plantarsehne, war schlimm und sie zog sich in die Länge. Monate der Ungewissheit, des Wartens, des Nichtstuns. Das war hart. Das nagte.
Wie fandest Du zurück zum positiven Denken? Der Impuls kam vom Kopf. Erst als ich mir sagte: Stopp, 2011 gibt es keinen Marathon mehr, konnte ich aus dem Teufelskreis von Verletzung und dem Gegeneinander von Körper und Kopf ausbrechen. Das war der Schlüssel. Erst dann ging es wieder aufwärts. Anfang Juli war’s, wir fuhren alle in die Sommerferien. Ich sagte mir: Patricia, jetzt lässt du all das Schwere, die Schmerzen einfach in da in der Toscana. Als ich heimkehrte, war alles wie weggeblasen.
Steckt im Überwinden dieser schwierigen Periode das Rezept für den starken Herbst? Ganz bestimmt auch. Die Freude, wieder zu laufen, ist riesig. Und der Einstand in Bern glückte unerwartet gut. Da entwickelten sich zusätzlicher Hunger und ein riesiges Selbstvertrauen. Es lief und es entwickelte sich eine Dynamik. Das war toll.
Wie geht es nun weiter? Es geht weiter, motiviert bis in die Zehenspitzen. Detailliert mit 2012 auseinandergesetzt habe ich mich aber noch nicht. Meine Konzentration galt bis Sonntag der Aktualität und somit dem Silvesterlauf. Klar ist, dass ich vorerst weiter an meiner Basis, sprich an der Grundlagenausdauer arbeiten werde. Im Februar gehe ich wieder mit Nationaltrainer Fritz Schmocker in den Süden Portugals ins Trainingslager. Mein Mann Andi begleitet mich. Die Kinder fahren dann ins Skilager und geniessen die restlichen Ferien bei Verwandten.
Sportlich ist alles auf die EM in Helsinki ausgerichtet? Vorerst ja. Ich freue mich riesig auf die Rückkehr auf die Bahn. Ab liebsten würde ich bereits jetzt ein Rennen über 10'000 m bestreiten. Aber ich zügle mich. Ich weiss, dass ich sparsam mit meiner Energie umgehen muss. Ich hoffe, dass ich in einem Jahr noch immer sagen kann: Ich habe nicht Olmypia verpasst, sondern mit der EM gewonnen.
Deine Karriere planst Du bis 2014? Richtig. Die Heim-EM in Zürich ist mein Fernziel, dann wieder im Marathon. Bereits am 1. Juli des nächsten Jahres erfolgt der Rückwärtsschwenker. Nächsten Herbst laufe ich meinen nächsten Marathon, entweder in Berlin oder in Frankfurt. Nach zwei schlechten Rennen in Barcelona und Zürich habe ich mit den 42,195 km noch eine Rechnung offen.